Praktisches Wissen rund um Begrünung

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Hier erhalten Sie praktisches Wissen rund um die richtige Pflanzenwahl, die Pflege und Wartung, rechtliche Bedingungen und Fördermöglichkeiten.

Mehrere Pflanzen

Für Begrünungen gibt es unterschiedliche Pflanzenarten.

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Praktisches Wissen

Wann lohnt sich eine Begrünung?

Von mehr Grün am Haus können Sie in vielerlei Hinsicht profitieren. Ein guter Zeitpunkt, Begrünungsmaßnahmen zu planen und in Angriff zu nehmen, ist es, wenn ohnehin eine Sanierung oder Renovierung ansteht. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, von kleinen Maßnahmen als Fertigpaket bis hin zu aufwändigen Einzellösungen.

Welche Pflanzen soll ich nehmen?

Die Wahl der Pflanzen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst kommt es darauf an, was begrünt werden soll. Für extensive Begrünungen auf einem Flachdach eigenen sich vor allem niedrig wachsende, bodendeckende Pflanzen. Für die Fassadenbegrünung verwendet man hingegen Kletterpflanzen. Je nach Verwendungszweck gibt es mittlerweile extra zusammengestellte Pflanzlisten. Die Pflanzen können Sie in der Regel in Gartencentern oder Baumschulen kaufen.

Auch auf die Sonneneinstrahlung kommt es an: Ist der Standort eher sonnig, schattig oder halbschattig? Ein weiteres Kriterium ist die Beschaffenheit des Bodens: Ist er eher nährstoffreich wie humose Gartenerde oder auch lehmiger Boden? Oder handelt es sich um einen nährstoffarmen Boden wie einen sandigen oder steinigen? Wenn Sie sich unsicher sind, lassen Sie sich im Fachbetrieb beraten.

Wann ist die beste Jahreszeit, etwas zu begrünen?

Die optimale Jahreszeit für das Einsetzen der Pflanzen ist im Frühling oder Herbst. Die Monate zwischen März bis Ende Mai sowie von Ende September bis Mitte November bieten die besten Wachstumsbedingungen für Pflanzen. In ihrem ersten Sommer ist es sehr wichtig, die Pflanzen gut mit Wasser zu versorgen, um das Anwachsen zu fördern. 

Ist mein Dach für eine Begrünung geeignet?

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen bietet mit seinem Gründachkataster als neueste Ergänzung im Fachinformationssystem Klimaanpassung die Möglichkeit zu überprüfen, ob sich Ihre Dachflächen für eine Begrünung eignen. Erfasst sind darin so gut wie alle Gebäude des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie können Ihr Haus in der Karte oder direkt über die Adress-Suche anwählen und sich umfassend darüber informieren, ob Ihre Dachfläche von der Lage prinzipiell für eine Gründachnachrüstung geeignet ist. Darüber hinaus liefert das Kataster einen ersten Überblick über mögliche Kosten einer nachträglichen Dachbegrünung.

Ist eine Genehmigung für eine Dachbegrünung nötig?

In der Regel ist für die Begrünung eines Garagen- bzw. Carport-Daches keine Baugenehmigung nötig. Wir empfehlen Ihnen jedoch, dass Sie sich vor Baubeginn sicherheitshalber beim zuständigen Bauamt erkundigen. So können Sie auch direkt die Frage nach möglichen Fördermitteln stellen. Für neu ausgewiesene Baugebiete sind Dachbegrünungen mittlerweile sogar vielerorts vorgeschrieben.

Eine Baugenehmigung vor Baubeginn ist zwingend erforderlich, wenn Sie Ihr Dach mit einer Intensivbegrünung ausstatten möchten, insbesondere bei begehbaren beziehungsweise genutzten Dächern.

Wie finde ich einen Fachbetrieb für Begrünungen?

Der Fachverband für Garten- und Landschaftsbau NRW und der Bundesverband Gebäude-Grün bieten auf ihren Internetseiten eine Suchfunktion nach geeigneten Fachbetrieben für die Dach- und Fassadenbegrünung an. Natürlich können Sie auch Fachbetriebe in Ihrer Nähe kontaktieren.

Wenn Sie mit dem Fachbetrieb telefonieren, sollten Sie sich vorab überlegen, welche Fläche am Haus oder auf dem Grundstück Sie begrünen wollen, wie die jeweiligen Standort-, Licht- und Bodenverhältnisse sind, wie viel Geld Sie bereit sind auszugeben und in welchem Zeitraum Sie die Begrünung durchführen möchten.
 

Zahle ich weniger Abwassergebühren, wenn ich mein Dach oder meine Fassade begrüne?

Viele Kommunen bieten dies inzwischen an. Dies hängt von der Gebührenordnung Ihrer Kommune ab. Die Regelungen sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Informieren Sie sich bei Ihrer Stadtverwaltung.

Kann ich eine gedämmte Fassade begrünen?

Ja, auch das ist möglich. Es gibt die Möglichkeit,  freistehendes Rankhilfen mit einem eigenen Fundament vor die Fassade zu setzen.  Oder man verwendet Rankgerüste, deren Befestigungen die Wärmedämmung durchdringen. Dabei sollte man jedoch auf die thermische Isolierung der verwendeten Wandverankerungen achten. Daher ist es zwingend notwendig, diese Arbeiten von einem Fachunternehmen durchführen zu lassen, um auch eine Gewährleistung für eine intakte Wärmedämmung zu erhalten.

Gibt es eine Pflicht zur Begrünung?

Die Landesbauordnung von Nordrhein-Westfalen legt in 8 Abs. 1 fest, dass nicht überbaute Flächen sowohl wasseraufnahmefähig zu gestalten als auch zu begrünen oder zu bepflanzen sind. Die kommunalen Bebauungspläne können hierzu konkrete Auflagen enthalten, die verbindlich sind.

Darüber hinaus können Kommunen auch Gestaltungssatzungen für das gesamte Stadtgebiet beschließen. Gängig ist beispielsweise, dass alle genehmigungspflichtigen Neubauvorhaben mit Flachdach oder flach geneigtem Dach ab einer bestimmten Mindestgröße der Dachfläche begrünt werden müssen. Diese Regelungen können auch für Flachdächer von Garagen, Carports und Tiefgaragen gelten. Die Hauseigentümer:innen sind in dem Fall dazu verpflichtet, die Dachbegrünung fachgerecht herstellen zu lassen und die Pflege sicher zu stellen.

Was bedeutet das Schottergartenverbot?

Einige Kommunen in NRW haben ein "Schottergartenverbot" ausgesprochen. Das heißt, sie haben Gestaltungssatzungen beschlossen, die die Anlage von Schottergärten ausschließen. Kommunen können außerdem in Bebauungsplänen für Neubaugebiete Vorgaben für die Gartengestaltung festsetzen und so ebenfalls unterbinden, dass Schottergärten angelegt werden. Ziel dieser kommunalen Vorgaben ist es, möglichst naturnahe Räume zu schaffen. Damit sollen zusätzliche Steinflächen als Hitzeinseln vermieden und Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen werden.

Als Schottergarten bezeichnet man vor allem Vorgärten, deren Bodenfläche mit Steinen, bzw. Kies abgedeckt ist, und die kaum oder gar keine Bepflanzung erhalten. Häufig befindet sich unter den Kiesflächen zusätzlich ein Gewebevlies, um das Wachsen von Wildkraut ("Unkraut") zu vermeiden. Dieses Vlies kann sich mit der Zeit mit organischem Material zusetzen und so die Wasserversickerung beeinträchtigen.

Mitunter ist irrtümlich auch die Bezeichnung „Steingarten“ im Gebrauch. Ein Steingarten ist jedoch eine Gartenanlage, die einen Lebensraum für trockenheitsverträgliche, alpine Pflanzen bietet. Grundlage ist steiniges Substrat. Im Gegensatz zu Schottergärten sind Steingärten begrünt und artenreich. 

Warum ist ein Schottergarten so schlimm?

Mit Kies und Stein bedeckte Vorgärten sehen für viele Menschen schön und ordentlich aus und erwecken den Anschein, dass sie wenig Arbeit machen. Die Gründe gegen so eine Fläche sind allerdings vielfältig: Nackte Steine und Kies speichern viel Wärme. Das bedeutet, dass der Vorgarten gerade in den Hitzemonaten einen zusätzlichen Wärmebunker am Haus darstellt. Ein bepflanzter Garten hingegen kühlt die Temperatur.

Ein weiterer Nachteil der mit Steinschotter oder Kies bedeckten Böden: Meist wird beim Anlegen ein Vlies als Unterlage verwendet, um das Durchwachsen von Unkraut zu verhindern. Zwar sind die Vliese in der Regel wasserdurchlässig. Jedoch setzen sie sich mit der Zeit mit organischem Material zu und lassen dann nur noch wenig Wasser zum Boden durch. Niederschlag wird also beim Versickern behindert.

Überdies beeinträchtigt die künstliche Bodenabdeckung mit Kunststoff-Vlies die Entwicklung des Bodenlebens. Und auch für Insekten und Vögel bieten sie keinen Lebensraum. Bereits kleine begrünte Flächen hingegen können helfen, dem voranschreitenden Artensterben etwas entgegen zu setzen. 

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz