Artenvielfalt für unsere Zukunft

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Am 22.5. ist Tag der Artenvielfalt. Weil vor allem Insekten immer weniger werden, ist jeder Mensch gefragt zu handeln. Wir haben Tipps für mehr Biodiversität rund ums Haus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Biodiversität ist von Bedeutung für uns Menschen, weil unsere Existenz von einem funktionierenden ökologischen Netzwerk abhängt.
  • Die Artenvielfalt kann man mit Begrünung am Haus in fast jeder Wohnsituation fördern und gleichzeitig Orte zum Wohlfühlen und Stress abbauen schaffen.
  • Für Insekten sind blühende und möglichst einheimische Pflanzen besser als Zierrasen und versiegelte Flächen.
Mädchen betrachtet Schmetterling auf einer Blüte unter einer Lupe
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Hätten Sie gerne mehr Gezwitscher und sommerliches Summen um sich herum? Dann werden Sie aktiv, denn die Artenvielfalt weltweit, aber auch unserer heimischen Fauna und Flora nimmt dramatisch ab. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der Zerstörung von Lebensräumen, Flächenversiegelung oder auch der Ausbeutung von Böden und Gewässern. In Nordrhein-Westfalen wird der Rückgang der Insekten in den letzten 30 Jahren in verschiedenen Untersuchungen auf bis zu 80 Prozent beziffert. Zahlreiche kleinere und größere Tierarten sind bedroht. Wo es nicht genug Insekten gibt, bleiben Obstbäume und andere Nutzpflanzen ohne Bestäubung und tragen keine Früchte mehr.

Auf einer Streuobstwiese können bis zu 5.000 verschiedene Tierarten leben, wie der BUND Naturschutz in Bayern darlegt. Je mehr Außenflächen am Haus versiegelt oder mit Monokulturen bepflanzt sind, desto weniger bieten sie Lebensraum für Pflanzen und Tiere. 
Jeder Mensch kann aktiv etwas für den Erhalt unserer Ökosysteme unternehmen. Schon mit kleinen Maßnahmen ist es möglich, Lebensräume für Tiere zu schaffen. Ob am Stadtrand oder mitten in der City: Ein durchgängiges Netz aus grünen Oasen hilft der Artenvielfalt und schafft gleichzeitig mehr Lebensqualität für alle Bewohner.

Mehr Artenvielfalt im Garten: Tipps für jede Vorliebe

Wenn Sie einen Garten am Haus oder einen Schrebergarten haben, steht Ihnen damit viel Potential für mehr Biodiversität in Ihrer Umgebung zur Verfügung. Je mehr Naturnähe im Garten zugelassen ist, desto mehr Nahrung bietet dieser für Bienen, Hummeln und andere Tiere. Nicht jeder empfindet einen Garten mit etwas Wildwuchs aber als schön. Deshalb haben wir unterschiedliche Tipps zusammengestellt: Ob Sie sich in einer aufgeräumten Gartenanlage wohl fühlen oder in einer eher naturbelassenen, für jeden Geschmack sollten Sie fündig werden.

Blühende Ecken als Bienenweiden

Vielleicht kommt es Ihnen sogar entgegen: Wenn Sie in der ein oder anderen Ecke im Garten ein Stück Rasen einfach mal nicht mähen, sparen Sie nicht nur Arbeit, sondern schaffen auch ein Nahrungsangebot für Wildbienen und Schmetterlinge. Was andere in ihrem gepflegten Zierrasen in der Regel nicht mögen und als Unkraut betrachten, darf nun wachsen: Wildkräuter wie Weißklee oder Habichtskraut haben auf seltener gemähten Flächen die Chance, ihre Blüten als Buffett für Insekten zu entwickeln. Noch besser als eine Ecke sind zwei oder mehrere Bereiche in Ihrem Garten, auf denen Sie abwechselnd die Vegetation gedeihen lassen. So haben Wildbienen und Co. immer ein Fleckchen zur Verfügung, an dem sie Pollen finden. Wichtig dabei ist, einen Bereich zu wählen, der nicht als Durchgang dient. Die Blüten werden so nicht zertreten, und Mensch und Insekten kommen sich nicht ins Gehege.

Blühende Wiese
Ein blühendes Stück Wiese im Garten ist ein wahrer Gaumenschmaus für Insekten. (Bild: hcast/stock.adobe.com)



Alternativ können Sie auch gezielt Bienenweiden mit ein- und mehrjährigen Blumen säen. Das bietet sich zum Beispiel für ein bestehendes Beet an. Soll die Blühwiese auf einer bisher als Rasen genutzten Fläche entstehen, ist es ratsam, die Grassoden abzutragen und freie Erdflächen für die Aussaat zu schaffen. Der beste Zeitpunkt dafür ist im Frühjahr. Mehr Tipps zum Anlegen einer Bienenweide finden Sie hier auf den Seiten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

Geht auch als Deko: Stein- oder Holzhaufen

Insekten und andere kleine Tiere benötigen Räume zum Verstecken, Eierlegen, Aufzucht und Überwintern. Dabei helfen wir ihnen, wenn wir Stein- oder Holzhaufen anbieten. In den Lücken zwischen angehäuften Steinen in einer sonnigen Lage können beispielsweise Eidechsen ein Zuhause finden. Hobbygärtner dürften sich über diese Tiere freuen, denn sie sind natürliche Feinde von Schnecken. In schattiger Lage schätzen Käfer, Frösche oder Molche die Steinhaufen. Zusätzlich können Sie die Steinhaufen noch von Efeu überwachsen lassen und so ein perfektes Versteck für Kleintiere schaffen. Auch lose aufgesetzte Natursteinmauern können zum Beispiel mit trockenheitsverträglichen Steingartenpflanzen begrünt werden. Man kann sie zudem als gestalterische Elemente im Garten einsetzen, genauso wie Steinhaufen, zum Beispiel als Trennmöglichkeiten zwischen Gartenbereichen oder als Abschluss von Beeten.

Genauso nützlich ist Holz. Die Stümpfe gefällter Bäume können Sie als Sockel für Blumengefäße oder andere Dekoration verwenden. Und gleichzeitig überlassen Sie damit unzähligen Lebewesen Nahrung und Lebensraum. Pilze, Käfer und Kellerasseln finden dort ihr Zuhause und eine Kinderstube. Blindschleichen gehören ebenfalls zu den natürlichen Feinden von Schnecken. Für sie sind Asthaufen ideal als Verstecke, genauso wie für viele andere kleine Tiere. Blindschleichen sind übrigens keine Schlangen, sondern Echsen. Für den Menschen stellen diese scheuen Tiere keinerlei Gefahr dar. Für ein Ökosystem sind sie jedoch eine große Bereicherung.

Totholz
Dieses Totholz bietet unzähligen Lebewesen Nahrung und Lebensraum. (Bild: Verbraucherzentrale NRW)

Staudenbeete für wenig Arbeit und viele Insekten

Wer einen blühenden, insektenfreundlichen Garten anlegen möchte, kommt um Stauden nicht herum. Stauden sind mehrjährige Pflanzen. Das bedeutet, dass sie im Frühjahr austreiben und sich zum Winter hin wieder zurückziehen. Im Garten sind sie deshalb praktisch, weil sie kaum Pflege erfordern. Einmal gepflanzt, entwickeln sie sich über Jahre. Ein Rückschnitt des abgestorbenen Pflanzenmaterials im Frühjahr reicht in der Regel, damit sie schön gedeihen. Es gibt unzählige Stauden in allen Farben, Größen und Formen und für jeden Geschmack, und die meisten einheimischen sind winterhart, halten also Fröste aus. Tipp: Wie man ein insektenfreundliches Beet aus Wildstauden Schritt für Schritt anlegt, beschreibt der NABU hier.

Stauden erst im Frühjahr schneiden

Mit einem Staudenbeet liefern Sie von Frühjahr bis Herbst ein wichtiges Nahrungsangebot für Insekten, Vögel und andere kleine Tiere. Diese Lebewesen benötigen aber auch im Winter Hilfe. Schneiden Sie daher Stauden möglichst erst im Frühjahr zurück, wenn sie wieder neu austreiben. Denn in den Blättern, Stängeln und verwelkten Blüten finden vor allem Insekten wichtige Überwinterungsmöglichkeiten. 
Viele Stauden sehen übrigens auch verblüht sehr dekorativ aus und wirken als schöne Elemente in einem sonst winterlichen Garten.

Trockene Blumen
Im Winter finden Insekten Unterschlupf in den stehengelassenen Resten von Stauden. (Bild: hedi lõiv/EyeEm/stock.adobe.com)

Laub im Winter liegen lassen

Laub unter Hecken oder als kleine Haufen in der Ecke eines Gartens sind weitere lebenswichtige Räume für Tiere zum Überwintern. Igel oder Insekten etwa benötigen diese Verstecke als isolierende Schicht und Schutz vor Fressfeinden. Daher tun Sie Gutes, wenn Sie im Herbst nicht alles wegräumen. Benutzen Sie das Laub einfach als natürlichen Frostschutz für Ihre Pflanzen. Und auch im Frühjahr müssen Sie es nicht vollständig entsorgen. Unzählige kleine Tiere wie Regenwürmer oder Mikroorganismen zersetzen die verwelkten Blätter und wandeln sie in wertvollen Gartenboden um.

Igel im Laub
Für Igel ist Laub ein wärmendes Versteck im Winter. (Bild: Piotr Łaskawski/Unsplash)

Insektenhotels

In den letzten Jahren haben sie einen kleinen Trend erfahren, und man bekommt sie mittlerweile schon in manchen Supermärkten: Insektenhotels sind eine gute Möglichkeit, Nisthilfen für Wildbienen zu schaffen. Ein paar Punkte sollte man beim Kauf oder Eigenbau beachten:

  • Die Ausrichtung muss stimmen: Damit die Bienen vor Witterung geschützt sind, sollte das Insektenhotel möglichst von der Wetterseite abgewandt aufgehängt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wärmende Sonne daran kommen kann. Idealerweise zeigen die Öffnungen der Niststäbe nach Osten.
  • Bitte keine aufgefaserten Niströhren verwenden! Bambusstäbe, die gesplittert sind oder vom Zerschneiden faserige oder scharfkantige Öffnungen besitzen, sind ungeeignet. Sie können die kleinen Tiere beim Einfliegen verletzen. Auch zu kleine Öffnungen sind nicht hilfreich, weil die Bienen dann nicht hinein passen.
  • Leichte Neigung der Niströhren: Die Niströhren sollten im Insektenhotel so eingebaut sein, dass ihre Öffnung leicht nach unten geneigt ist. So kann Regenwasser immer ablaufen und bleibt nicht darin stehen.
  • Netz als Schutz vor Vögeln: Vor den Niströhren sollte ein Netz oder Hasendraht gespannt sein, damit Vögel die Bienenbrut nicht einfach herauspicken können. Der Abstand zwischen Netz und Niströhren sollte also einem kleinen Schnabel Einhalt gebieten können.

Insektenhotels kann man recht einfach selbst bauen, auch mit der Hilfe von Kindern. Eine Anleitung, wie es gehen kann, gibt auf den Seiten des Naturschutzbundes Deutschland.

Fast fertig. Ein Insektenhotel zu bauen ist kinderleicht. (Bild: Halfpoint/stock.adobe.com)
Fast fertig. Ein Insektenhotel zu bauen ist kinderleicht. (Bild: Halfpoint/stock.adobe.com)

Nisthilfen für Vögel

Auch für Vögel sind Verstecke für die Aufzucht ihrer Brut unerlässlich. In unserem dicht besiedelten Raum fehlen oft Bäume oder Sträucher, in denen Sing- und Gartenvögel ihre Nester bauen können. Mit Nistkästen kann man sie daher unterstützen. Viele Vögel benötigen dicht geschlossene Nisthöhlen. Diese gibt es in unzähligen Ausführungen zu kaufen, und man kann auch damit den Garten gestalten. Achten Sie beim Anbringen darauf, dass Katzen oder auch Hunde nicht an die Nisthilfen herankommen können.

Sichtschutz mit Mehrzweck: Vogelnährgehölze

Viele Menschen haben das Bedürfnis nach Sichtschutz zur Straße oder zu den Nachbarn. Als Lösung dienen dazu oft Sichtschutzzäune oder schnell wachsende Hecken wie Kirschlorbeer oder Thuja, die in unseren Breiten eigentlich nicht zuhause sind. Wer die Artenvielfalt am Haus fördern möchte, kann jedoch über Alternativen nachdenken. Denn es gibt heimische Gehölze, die deutlich mehr Nahrung und Lebensraum für Vögel und auch andere Tiere bieten. Dazu zählen etwa die Kornelkirsche, Brombeere, Schneeball oder Berberitze. Sie alle haben gemein, dass sie Beeren tragen, die im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel darstellt. Gleichzeitig bieten die Gehölze mit ihrer Blüte Nahrung für Insekten, die Kornelkirsche beispielsweise schon sehr früh im Jahr. In den dichten Verzweigungen dieser Sträucher finden Vögel außerdem Schutz und Nistmöglichkeiten. Eine Liste mit heimischen Gehölzen hält der NABU Hamburg bereit. Hier finden Sie auch Angaben zur Wuchshöhe, Ansprüche an den Standort und Farben.

Amsel Zaun
Sichtschutzzäune mit heimischen Gehölzen verkleidet bieten Vögeln im Winter Nahrung. (Bild: TheOtherKev/Pixabay)

Mehr Artenvielfalt mit Dach- und Fassadenbegrünung

Um mehr Biodiversität zu schaffen, eignen sich auch Maßnahmen direkt am Haus, etwa durch Dach- oder Fassadenbegrünungen, bewachsenen Terrassenüberdachungen oder Carports. Beim Gründach oder der begrünten Fassade ist die Ausrichtung nicht unerheblich. Ausreichend Sonneneinstrahlung und möglichst wenig Schatten durch Bäume oder benachbarte Häuser sind hilfreich, um ein reiches Nahrungsangebot für Insekten und andere Tiere zu schaffen. Zwar kann man die Lage der Fassade oder des Dachs nicht beeinflussen, jedoch bieten sich viele Möglichkeiten bei der Auswahl der Bepflanzung. Am wichtigsten ist nämlich ein vielfältiges und kontinuierliches Blütenangebot über das ganze Jahr verteilt.

Biene an berankter Pflanze
Bienen und Hummeln lieben die Kletterpflanze Blauregen (Wisteria) als wertvolle Nahrungsquelle im Frühjahr. (Bild: Verbraucherzentrale NRW)



Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert, welche wiederum auf die Bestäubung durch die Biene angewiesen sind. Bienenfreundliche Pflanzen sollten der Biene also vor allem Nahrung bieten, daher sind gefüllt blühende Pflanzen nicht empfehlenswert. Bei ungefüllten Blüten sind die Staubgefäße frei zugänglich. Diese enthalten Pollen und Nektar, den die Bienen sammeln. Wichtig sind auch Frühblüher, da sie schon frühzeitig im Jahr die erste Nahrung nach der Winterruhe für die Insekten bieten. 
Wer eine Dachbegrünung hat, kann noch mehr tun: Sogenannte Sandlinsen – also etwa tellergroße Bereiche aus Sand – beispielsweise dienen Vögeln zur Pflege ihres Gefieders. Wer möchte, kann auch einige Äste Totholz ablegen. Diese bieten für einige Insektenarten eine ideale Nistmöglichkeit. Man sollte dann nur auf eine sichere Verankerung gegen den Wind achten.

Grüne Inseln in der Stadt: Balkon, Baumscheiben und Grünstreifen

In der Stadt haben Vögel und Insekten es vielerorts schwer, Nahrung zu finden. Wer einen Balkon hat, kann den Tieren und sich etwas Gutes tun, indem er ihn bepflanzt. Balkonkästen, Pflanzkästen mit Rankhilfen für die Wand, Pflanzkübel oder auch Nisthilfen sind Möglichkeiten, den Balkon zu einer grünen Oase zu gestalten und gleichzeitig etwas für die Artenvielfalt in der Stadt zu tun.
Der NABU hat sowohl für einen sonnigen als auch einen im Schatten gelegenen Balkon Ideen zusammengestellt.

Grüner Balkon Pflanzen
Bepflanzte Balkone sehen schön aus und dienen in der Stadt als Nahrungsstation für flugfähige Insekten. (Bild: Alexander/stock.adobe.com)


Auch auf Baumscheiben und Grünstreifen vor dem Haus kann man für mehr Artenvielfalt sorgen. Je mehr Flächen insektenfreundlich bepflanzt sind, desto besser ist es vor allem für flugfähige Tiere. Manche Kommunen unterstützen die Bepflanzung solcher kleinen Flächen zum Beispiel mit der Bereitstellung von Saatgut oder genehmigen es, eine Patenschaft für diese öffentlichen Flächen zu übernehmen. Fragen Sie in Ihrem Gartenamt nach.

Städtische Begrünung
Die Begrünung von Baumscheiben wertet Städte auf und bietet Insekten einen Unterschlupf. (Bild: Verbraucherzentrale NRW)

Ungeziefer und Insektenstiche – ein Problem?

Manche Menschen führen als Argument gegen ein insektenfreundliches Grundstück ihr Unwohlsein an, was sie mit den kleinen Tieren verbinden. Die Angst vor einer Insektenplage wirkt oftmals abschreckend. Wer eine Fassade oder ein Dach begrünt, schafft jedoch sowohl einen Lebensraum für die Insekten als auch für ihre natürlichen Fressfeinde wie Vögel. Das Vorkommen beider Arten erhöht sich also in einem begrünten Umfeld. Durch den natürlichen Kreislauf kann es also normalerweise nicht zu einer Überpopulation von Insekten („Ungezieferplage“) kommen. Siedeln sich Insekten und Vögel an, spricht dies zudem für die gute Entwicklung des Ökosystems. Hilfreiche Tipps zum Pflanzenschutz ohne Chemie finden Sie auf den Seiten der Umweltberatung der Verbraucherzentrale NRW.
 

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz